Der Christian-Wagner-Preis wird im Jahr 2020 zum 15. Mal vergeben. Die Jury – Astrid Braun (Stuttgart), Martin Bruch (Freiburg), Dorit Krusche (Marbach), Henning Ziebritzki (Tübingen) und  Martin Zingg (Basel) – hat den Preis der Lyrikerin Esther Kinsky zuerkannt. Der Preis ist mit 10 000€ dotiert und wird am 21. November verliehen.
Aufgrund der geltenden Pandemie-Verordnungen kann leider die geplante festliche Preiverleihungsveranstaltung am 21. November 2020 nicht stattfinden. Die am 22. November 2020 geplante Lesung in Warmbronn wird auf den 2. Mai 2021 verlegt.

Der Christian-Wagner-Preis 2020 geht an Esther Kinsky

 

Esther Kinsky / © Heike Steinweg/Suhrkamp Verlag

Für ihr lyrisches Gesamtwerk und insbesondere ihren Gedichtband Schiefern wird Esther Kinsky der Christian-Wagner-Preis 2020 zugesprochen. Durch ihre vorhergehenden Gedichtbände angebahnt und vorbereitet, findet Kinsky in Schiefern zu einer konzeptionellen Erkundung der Natur durch Sprache im Geist Christian Wagners. Ihre lyrische Reise auf die Slate Islands (Schottland) ist eine umfassende Lektüre des Schiefers, der dort über Jahrhunderte abgebaut wurde. Kinskys Gedichte und kurze Prosastücke erschließen dieses Gelände als Natur, die in ihrer Wahrnehmung auch existentielle Dimensionen wie Zeit und Erinnerung, Schönheit und Sozialität aufweist. Schiefern ist das gelungene Beispiel für einen Gedichtband, dessen Autorin in großartiger Genauigkeit und Formenvielfalt abbildet, was sie sprachlich entdeckt hat.

Esther Kinsky, geb 1956, ist bei Bonn aufgewachsen. Seit 1986 als literarische Übersetzerin aus dem Polnischen, Russischen und Englischen tätig. Nach verstreuter  Lyrik und Kurzprosa (englisch) in verschiedenen Zeitschriften war der Roman „Sommerfrische“ (Matthes und Seitz Berlin, 2009) ihre erste eigenständige Buchveröffentlichung. Es folgten mehrere Romane und  Gedichtbände, geopoetische Erzählungen, Essays und Kinderbücher. Zuletzt erschienen: Hain. Geländeroman (Suhrkamp 2018), der Gedichtband kő. növény. kökény. (edition Thanhäuser, Ottensheim 2018) sowie der Gedichtband „Schiefern“ . (Suhrkamp 2020). Das Thema, das sich durch alle Texte zieht, ist das des gestörten Geländes und damit verbunden eine Hinterfragung des Begriffs der Natur.

Dankrede von Esther Kinsky lesen

Laudatio von Yevgeniy Breyger lesen

Artikel zum 15. Christian-Wagner-Preis in der Leonberger Kreiszeitung: 201119_LKZ_CW-Preis